Manche Menschen suchen sich Partner, die eher auf eine überraschende Art und Weise zueinander passen. So gibt es Frauen, welche auf scheinbar magische Weise immer wieder gewalttätige Männer in ihr Leben ziehen, die Choleriker oder unerbitterliche Machtmenschen sind. Solche Beziehungen bestehen dann aus einer Abwertungsspirale, aus Unterordnung und Angst. 

Ein anderes Beispiel für solche Beziehungen sind Männer, welche aus unerklärlichen Gründen immer wieder an Frauen gelangen, welche sie respektlos und herabwürdigend behandeln. Diese Beziehungen sind ebenfalls von AbwertungUnterordnung und Leid geprägt. 

Erstaunlicherweise scheinen sich solche Muster wie ein roter Faden durch die Vergangenheit mancher Menschen zu ziehen. Wie dies zustande kommt, welche Vor- und Nachteile diese Art der Beziehung haben und wie wir gesunde Beziehungen erkennen können, ist heute unser Thema. 

Wie Muster entstehen 

Wenn wir in Beziehungen landen, in denen wir zu leiden haben, kann es auf den ersten Blick so scheinen, als könnten wir nichts dafür. Schließlich liegt es am Fehlverhalten des anderen – also außerhalb unserer Kontrolle. 

Doch wie kann es dann sein, dass manche Menschen niemals solche Erfahrungen machen, während unsere Partner und Ex-Partner sich so stark ähneln, dass man meinen könnte, es wären die gleichen Personen. Sind nicht wir der einzige verbindende Faktor zwischen diesen Menschen? 

Das wir selbst Teil des Problems sind, gilt für fast alles Leid in unserem Leben. Schließlich haben wir uns die Beziehungen, die wir ohne Zwang eingegangen sind, selbst ausgesucht. Wenn wir in Beziehungen verbleiben, in denen wir leiden, dann ziehen wir Grenzen nicht und etablieren so passiv oder aktiv toxische Dynamiken

Wenn wir einmal annehmen, dass wir allein dafür verantwortlich sind, mit wem wir zusammen sind, so stellt sich uns die Frage, wieso wir uns in diese Situation begeben und wie wir das eigentlich geschafft haben. 

Partnerwahl ist Filterung 

Bei der Partnerwahl können wir heutzutage aus einer großen Menge von Personen aussuchen. Schon die erste Anziehung ist dabei intuitiv und unbewusst. Hier findet schon der erste und deutlichste Schritt der Auswahl statt.  

Selbst wenn wir auf einer rationalenbewussten Ebene, Vorstellungen davon haben mögen, welche charakterlichen oder äußerlichen Merkmale uns anziehen, so sagt es und die Redewendung „Wo die Liebe hinfällt“ am deutlichsten. Wir haben kaum Kontrolle darüber, zu wem wir uns hingezogen fühlen – zumindest nicht auf einer bewussten Ebene. Anziehung ist keine Entscheidung. 

Unsere tiefen, emotionalen Bedürfnisse, zeigen sich sehr häufig in dieser Anziehung. Das ist so, weil wir Menschen sehr sozial motiviert sind, und unsere Bedürfnisse oft im Sozialleben zu stillen versuchen. Dabei wird eine Partnerschaft zur Projektionsfläche unerfüllter Bedürfnisse. Wir suchen dann in einer Beziehung eine Erlösung von einer tiefen, lang gehegten Sehnsucht, anstatt diese in uns selbst zu suchen. 

Damit ist der Grundstein für eine toxische Beziehung gelegt, da wir die Erfüllung wichtigster Grundbedürfnisse von einem anderen Menschen abhängig machen. Uns zieht an, was passend kaputt ist und nicht das was für unser Leben gut wäre.  

Toxische Anziehung am Beispiel 

Als Beispiel nehmen wir unseren eingangs erwähnten toxischen Beziehungstyp, bei dem einer der Partner den anderen abwertet und eventuell sogar gewalttätig und missbrauchend agiert, während der andere Partner dies erduldet und passiv fördert.  

Eingangs wollen wir aber – als eine Art Disclaimer – erwähnen, dass kein Opfer einer Straftat Schuld zugesprochen werden kann. Es ist nicht etwa das Opfer, dass den Täter provoziert hat und deshalb zurecht die Straftat verdient hätte, es ist der Täter der die volle Verantwortung für seine Taten trägt. Dennoch geht es hier darum, Erkenntnis und Kontrolle über uns selbst zu erlangen. Das gelingt uns, indem wir Verantwortung für unser Leben übernehmen. Wir können dann analysieren was unsere tiefen Bedürfnisse sind und uns gegebenenfalls so gegenüber Menschen abgrenzen, die nicht gut für uns sind und die Wahrscheinlichkeit Opfer zu werden drastisch reduzieren

Bei Lydia handelt es sich um eine 21-Jährige BWL-Studentin. Sie ist vor einem Jahr in ihre neue Studentenstadt gezogen. Als Lydia klein war, war sie ein verträumtes Mädchen, dass sich gerne im Kopf vorgestellt hat, Abenteuer mit Pferden zu erleben. Sie wollte zwar viel mit anderen machen, aber irgendwie hat ihre introvertierte Art dazu geführt, dass sie sich nur wenig sozialisiert hat. Deshalb tritt sie bis heute nicht sehr selbstbewusst auf.  

Ihr Vater hat Lydia oft das Gefühl gegeben, nicht wertvoll und nicht genug zu sein. Mit Nähe belohnt hat ihr Vater sie nur dann, wenn Lydia ein besonders liebes und überangepasstes Mädchen war. 

Die Erfahrung, dass Selbstbestimmung für Lydia die Frustration ihres Bindungsbedürfnisses bedeutete und andersherum, sie besonders dann Nähe bekommen konnte, wenn sie nicht selbstbestimmt auftrat, sowie die grundlegende Lieblosigkeit durch ihren Vater, hat sie in ihrem Selbstwertgefühl geschwächt und dysfunktionale Vorstellungen von Nähe in ihr etabliert. 

Frühe Bezugspersonen, die nicht dem eigenen Geschlecht angehören, nehmen für uns eine besonders prägende Rolle ein. Leider gelingt es uns in der frühen Prägung nur schwierig zu differenzieren, dass das Elternteil nur ein Individuum ist und kein Repräsentant aller Männer, bzw. aller Frauen. Insbesondere, weil Lydia in ihrer Prägungsphase kaum Kontakt zu anderen männlichen Bezugspersonen hatte, ist in unserer Analyse das Verhältnis von Lydia zu ihrem Vater besonders wichtig. 

Heute, als junge, Frau liest Lydia regelmäßig romantische Geschichten und erotische Literatur mit stark auftretenden Männern, welche sowohl sensibel, aber auch distanziert sind. Sie flüchtet sich so in leidenschaftliche Fantasien – ihre realen Beziehungen waren leider wenig erfüllend. Die Jungen, die sie sich bisher ausgesucht hat, waren eher unsichere und neurotische Persönlichkeiten, welche sie auf keiner Ebene befriedigen konnten. Aktuell ist sie Single und sehnt sich insgeheim nach Partnerschaft. 

Als sie eines Tages ein Mann auf der Straße anspricht und ihr deutlich sein Interesse signalisiert, reagiert sie äußerst angetan auf diesen Mann. Er wirkt selbstbewusst, zeigt sich als unabhängig und von hohem Status. Deshalb geht sie auf sein Angebot, spontan einen Kaffee trinken zu gehen, ein.  

Bereits bei diesem ersten Kaffeetrinken zeigt sich der Mann zwar charmant und interessiertaber macht auch herausfordernde bis stichelnde Aussagen. Er kommentiert beispielsweise lächelnd, dass Lydia wohl nicht gewusst habe, was sie studieren wolle und deshalb BWL studiere. Als Lydia später von ihrem Hobby – dem Tanzen – berichtet, kommentiert er, dass sie ruhig ein wenig Bewegung vertragen könnte – und stubst sie im gleichen Moment neckisch und lächelnd an. Lydia reagiert auf diese herausfordernden Aussagen, indem sie sich besonders bemüht ihm zu gefallen. Sie erklärt, dass das Studium ihr nicht so wichtig sei und dass sie sich vorgenommen hat abzunehmen. 

Nach dem ersten Kaffeetrinken und dem Austausch von Kontaktdaten meldet sich der Mann nicht wie abgemacht, obwohl er sehr häufig an sie denkt. Lydia hingegen hält es nach 3 Tagen nicht mehr aus und meldet sich daraufhin bei ihm. 

Im weiteren Kennenlernen wiederholt sich dieses Muster, des Grenzen Austestens durch Abwertung, und der Bemühung von Lydia ihren Wert durch Gefälligkeit zu erhöhen immer häufiger und heftiger. Beide finden diese Dynamik sehr anziehend und werden schnell ein Paar.  

Wenn Lydia sich beginnt gegen die immer stärkere Abwertung, sowie das Überschreiten von Grenzen innerhalb der Beziehung zu wehren, dann straft ihr Partner sie immer wieder mit Nähe-Entzug und Abwertung. Dies geschieht durch lustbringende, einvernehmliche körperliche Gewalt im sexuellen Rollenspiel oder durch Abwertung im Streit. Die daraus entstehende Beziehung zwischen Narzissmus und Co-Narzissmus ist von deren typischer Idealisierung und Abwertungintensiver Sexualität und häufigen Streits geprägt. Die Beziehung ist für beide sehr intensiv, jedoch sowohl instabil, als auch sehr anstrengend

Wir können hier sehen, dass Lydia auf das Beziehungsangebot des narzisstischen Mannes früh eingeht. Der Mann testet von Anfang Grenzen aus und etabliert die Spielregel: „Meine Nähe hat den Preis, dass Du Dich unterordnest.“ – und dies schon beim ersten Treffen. Auch das Muster der Machtgewinnung durch NäheEntzug etabliert er sehr früh. Er sieht in Lydia eine introvertierte und nicht ganz selbstbewusstejunge Frau, die ihm anbietet, gefügig alles für ihn zu tun. Das ist, was der Narzisst benötigt. Er ist bedürftig nach Selbstwerterhöhung durch eine andere Person – dies am liebsten in übersteigerter Form der Idealisierung. Außerdem erhöht er sich im Vergleich zu Lydia, indem er diese abwertet und so über ihr steht. 

Lydia hingegen akzeptiert und bestärkt diese Regeln durch ihr Verhalten, indem sie sich für ihn qualifiziert. Obwohl sie die Frustration der Selbstbestimmung emotional deutlich spürt und in der Beziehung leidetkommuniziert sie weder Grenzen, noch unterbindet sie diese Art von Beziehung. Damit ist ihr das Bedürfnis nach Nähe und Partnerschaft wichtiger als ihre anderen Bedürfnisse. Durch dieses Verhalten und die unreflektierte Bestärkung alter Muster ist die toxische Beziehungsdynamik bereits grundlegend erkennbar – und das bereits nach einem unschuldigen, spontanen Kaffeetrinken. 

Lydia hat zu jeder Zeit die Möglichkeit zu gehen, insbesondere auch, da der Mann nicht körperlich gewalttätig ist, oder sonstige Zwänge anwendet. Obwohl sie in dieser Beziehung so sehr leidet, ist sie davon überzeugt, dass es sich bei dieser Beziehung um echte Liebe handelt. 

Leidensgewinn 

Das Konzept des Leidensgewinns fasst sehr gut zusammen, dass unser selbstgewähltes Leid für uns eine Funktion und damit einen Sinn haben kann. Um das zu verstehen, müssen wir offen dafür sein, dass die bewussten Antworten auf die Frage: „Was will ich?“ nicht mit dem übereinstimmt, was andere, weniger rationale Anteile in uns wollen. So hätte Lydias rationaler Anteil im Vorhinein niemals entschieden in eine abwertende Beziehung einzutreten – ihr innerer Anteil, welcher vermeintliche Liebe nur so kennengelernt hat, jedoch schon. Andere Leidensgewinne sind für sie ist das ständige Streiten und die daraus resultierende Intensität in ihrem Leben, sowie der Lustgewinn der durch die starke Abwertungsdynamik entsteht. 

Diese Widersprüchlichkeiten sind normal – unser Gehirn ist nicht wie ein Computer aufgebaut. Wir arbeiten nicht nach strukturierten Prozessen, sondern haben mehrere unterschiedliche neuronale Netze, die auf komplexeste Art und Weise zusammenarbeiten. Mit reiner Logik an uns selbst heranzugehen ist daher naiv. Stattdessen sollten wir differenzieren, welchem Anteil in uns wir gerade dienen und welches Bedürfnis wir erfüllen wir. 

In unserer Zeit sind die allermeisten unserer Probleme hausgemacht. Die Themen, die uns bewegen sind, haben sehr wenig mit unseren äußeren Umständen zu tun, sondern treten vielmehr von innen nach außen. Was wir im Außen erleben ist ein Symptom unseres Innenlebens. Deshalb können wir, wenn wir leiden, fast immer davon ausgehen, dass wir dieses Leid selbst gewählt haben. Eine wirkungsvolle Frage, um den Leidensgewinn zu erkennen ist simpel: „Was würde in meinem Leben fehlen, wenn ich diese leidvolle Situation nicht mehr und nie wieder hätte?“. 

Unsere widersprüchlichen Motivationen sind komplex und sollten deshalb immer im Einzelfall analysiert werden. Lydia hat unterschiedliche Formen des Leidensgewinns. Zum einen ist die dysfunktionale Beziehung zu ihrem Freund sehr aufregend und die Anziehung in dieser Abwertungsdynamik hoch. Zum anderen können wir hier aber deutlich die Parallele zu ihrer Kindheit und der damals erworbenen Beziehungsstrategie zu ihrem Vater – welcher repräsentativ für alle Männer stand – erkennen.  

Wiederholung 

Lydia hat als Kind gelernt, ihre empfundene Wertlosigkeit, durch besonders gefälliges Verhalten zu kompensieren. Sie wurde dann bestätigt, in ihrem Wertgefühl erhöht und mit Verbundenheit zu ihrem Vater belohnt, wenn sie sich gefällig verhalten hat. Diese ihr sehr wichtige Nähe war jedoch sehr instabil, da sie immer wieder willkürlich abgewertet und belächelt wurde. Sie hat also gelernt, dass scheinbare Liebe an Konditionen geknüpft ist – ihre Gefälligkeit nennt man auch: maladaptive Bewältigungsstrategie der Überanpassung.   

Bei der Partnerwahl zeigt sich später genau die Akzeptanz dieser Grundhaltung„Mach was ich will, und du bekommst meine Nähe“. Eine Haltung, bei der Menschen mit einer anderen Prägung längt Grenzen ziehen würden. Diese Menschen würden klar ausdrücken, dass dieses Verhalten nicht okay ist und bei weiterer Grenzüberschreitung gehen. Wenn Lydia den Versuch unternimmt ihren Partner zu begrenzen, dann reagiert dieser mit strafendem Nähe-Entzug. Ein Verhalten, dass Lydia schon kennt. Sie kommuniziert mit der Akzeptanz dieses Verhaltens die Folgerung: „Da ich nicht mache, was Du willst, habe ich Bestrafung verdient.“. 

Diese Form der Wiederholung alter Muster kann man als einfache Gewohnheit verstehen. Es ist bekannt, also muss das Gehirn keine neuen neuronalen Netze ausbilden, um damit umzugehen, was sehr energetisch aufwändig sein kann. Wir meinen hier keine spirituelle Energie, sondern tatsächliche Energie in Form von Kilokalorien, die das Gehirn bei der Umstellung von neuronalen Strukturen verbraucht. Es ist evolutionär sinnvoll, dass das Gehirn versucht, diese Energie zu sparen und so nach Altbekanntem sucht. 

Ein anderer Ansatz, um den Widerholungszwang zu verstehen geht etwas tiefer. Wenn wir uns selbst als Opfer erleben können – beispielsweise als „Opfer“ eines Narzissten – so verdecken wir damit eine wesentlich schmerzhaftere Erkenntnis, nämlich, dass wir als Kinder nicht ausreichend geliebt wurden. Damit beschützen wir innerlich nicht nur unsere Eltern, sodass diese immer noch geliebt und respektiert werden können, sondern auch fundamental unsere Person. Denn als Kind nicht geliebt zu werden ist existenziell bedrohlich, es greift unsere Seele und Urvertrauen an – denn das Kind in uns, fühlt dies immer noch. In der Rolle des Erwachsenen hingegen nicht geliebt zu werden ist nicht so tragisch.  

Bei der Wiederholung alter, schmerzhafter Muster der Abwertung, nimmt also der innere Erwachsene in uns, dem inneren Kindanteil eine schlimme Last ab und sagt ihm: „Du darfst Opfer sein, du kannst nichts dafür“. Dieser Mechanismus basiert also auf einer maladaptiven Überlebensstrategie, die früher einmal sinnvoll und notwendig war. 

Außerdem ist das Einrollen in eine Opferhaltung sehr wohltuend. Als Opfer können wir nichts tun, also müssen wir es auch nicht – das Leid und das Drama verdecken dann im Alltag unsere tieferenseelischen Wunden. Wir müssen uns also nicht schmerzhaft mit unserem Inneren beschäftigen, sondern können uns mit den Umständen unseres Lebens ablenken. 

Gesunde Beziehungen erkennen 

Doch wie können wir von diesen toxischen Beziehungen endlich Abstand gewinnen? Beziehungsdynamik ist ein komplexes Thema und wir können deshalb nur an der Oberfläche bleiben. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Qualität einer Beziehung davon bestimmt wird, wie gut es den Beziehungspartnern isoliert betrachtet geht. Umso weniger bedürftig, oder umso „stärker“ alle Beteiligten sind, umso besser läuft die Beziehung. Daher ist unsere Haltung zum Gestalten erfolgreicher Beziehungen, zuerst die Beziehung zu sich selbst zu stärken – und uns beispielsweise selbst genug zu respektieren, um Grenzen ziehen zu können. 

Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben 

Die Haltung dazu lautet: „Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben“

Dieser Satz mag sehr egoistisch klingen, doch es ist eine einfache Erkenntnis: Wir haben nur unsere eigene Subjekthaftigkeit, wir haben nur unser eigenes Lebenunsere Sicht. Wir können andere niemals wirklich nachvollziehen – wir können nicht einmal wissen ob die anderen Menschen auch nur ansatzweise so ähnlich empfinden wie wir. Vielleicht sprechen wir nur die gleiche Sprache, aber in Wirklichkeit fühlt sich Wut für jemand anderen ganz anders an, als Deine Wut sich anfühlt? 

Deshalb bist Du das einzige Subjekt, und damit der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Es ist Deine Aufgabe für Deine Bedürfnisse zu sorgen und eine maximale Lebensqualität zu erreichen. 

Eine Beziehung, in der beide Partner diesen Grundsatz in sich tragen, also sich selbst verantwortlich sehen, für ihre Bedürfnisse zu sorgen ist von Unabhängigkeit, aber nicht von Distanz erfüllt. Die inneren Ressourcen welche man dann übrig hat, kann und will man ganz natürlich mit dem anderen teilen – nicht jedoch aus einer Pflicht heraus, sondern aus freiem Willen

Natürlich ist dieses Idealbild niemals vollständig erfüllt, dennoch ist es wichtig dem Partner niemals die Pflicht zu übertragen für das eigene emotionale Wohlbefinden zu sorgen. Es ist schön, wenn er das tut, aber die Pflicht dazu hat man immer selbst. Die Fähigkeit für uns selbst zu sorgen zu stärken ist das Anliegen von herziq. 

Be ready to walk 

Ein weiterer Ausdruck der besonders guten Beziehung ist, dass wir diese verlassen können. Das bedeutet nicht, dass uns die Beziehung egal ist, oder wir diese aus einem Impuls heraus verlassen – das wäre ein Ausdruck einer schwachen Bindung in der Beziehung. Gemeint ist, dass wenn wir uns mit Haut und Haaren der Beziehung hingeben, in der Beziehung jedoch unsere Bedürfnisse frustriert werden, wir eine Trennung in Betracht ziehen. Wir bei herziq haben die Grundhaltung, dass unsere Bedürfnisse diesen Trennungsschmerz wert sind.  

Zusätzlich fördert diese Haltung und ihre Konsequenzen das Vertrauen in uns selbst, da wir lernen, dass wir Trennungsschmerz ertragen könnenNur Kinder sind existenziell von Trennung bedroht – Erwachsene hingegen können in allen Belangen für sich selbst sorgen

Gehen wir unsere Beziehung mit dem Wissen an, dass unser Partner die innere Fähigkeit dazu besitzt uns zu verlassen, so wissen wir auch im Umkehrschluss, dass er freiwillig bei uns ist. Außerdem sind wir motiviert, die Grenzen des Partners zu achten. So hängt Unabhängigkeit mit Respekt zusammen. 

Die Auseinandersetzung damit, dass wir sowohl verlassen können, als auch verlassen werden können, führt nicht zu einer Fragilität der Beziehung, sondern zu einer Stärke aus der Freiwilligkeit heraus. Enden toxische Beziehungen, so wird ein Scherbenhaufen hinterlassen, da der Weg schon von allerlei psychischer Belastung geprägt war. Endet hingegen eine gesunde Beziehung, so war die gemeinsame Zeit fruchtbar und trotz des Trennungsschmerzes kann auf eine konstruktive und schöne Zeit zurückgeblickt werden. 

An den Resultaten sollt ihr sie erkennen 

Wie wir sehen konnten, verzerren unsere inneren Widersprüche unsere Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit. Deshalb ist es besonders hilfreich unsere Beziehungen danach zu bewerten, was sich auf lange Sicht in unserem Leben verändert hat. Dies geschieht in zwei Schritten. 

Im ersten Schritt können wir alle faktischen Veränderungen in den Kernbereichen unseres Lebens auflisten, welche sich über die Dauer der Beziehung hinweg verändert haben. In welchen Bereichen Du dies untersuchst, bleibt Dir überlassen – übliche Kernbereiche wären: Die Gesundheit (körperlich und psychisch), die Karriere und das Sozialleben.  

In einem zweiten Schritt kann man sich dann überlegen, inwiefern die Beziehung auf diese Veränderungen überhaupt Einfluss gehabt hat. 

Sind die Resultate der gemeinsamen Zeit in Teilbereichen negativ, kann überlegt werden, wie dies gemeinsam verbessert werden kann. Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Reflexion über eigene Bedürfnisse und Grenzen, sowie die klare Kommunikation und das Einstehen für diese. Eine Trennung sollte dabei die „ultima ratio“ sein. 

Zusammenfassung 

  • Toxische Beziehungen sind weit verbreitet und an Mustern erkennbar, welche sich durch unsere Biografie ziehen  
  • Wenn wir in Beziehungen versuchen alte, unreflektierte Wunden zu heilen, machen wir uns vom Partner abhängig – die Grundlage einer toxischen Beziehung ist geschaffen 
  • Wir suchen uns unbewusst Menschen aus, die unsere Bedürfnisse potenziell auf eine dysfunktionale Weise erfüllen 
  • Die Reflexion und eigene Bearbeitung unserer Bedürfnisse, führt zu einer Veränderung dieser unbewussten Ausstrahlung 
  • Dysfunktionale Beziehungen sind geprägt von hoher AnziehungAbhängigkeitsgefühlen und Intensität, sowie einer hohen Anstrengung im Ausleben dieser Beziehung 
  • Wir ziehen aus leidvollen Beziehungen auch immer einen innerenpsychologischen Sinn, den sogenannten Leidensgewinn 
  • Der Drang zur Wiederholung früh geprägter Muster lässt sich durch den inneren Elternschutz, dem Wunsch nach Verdrängung schmerzhafter Wahrheiten und dem Wunsch nach Gewohnheit erklären 
  • In gesunden Beziehungen herrscht für jeden der Grundsatz: „Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben“ 
  • In gesunden Beziehungen sind beide mündigen Partner in der Lage diese auch zu verlassen – aus dieser inneren Freiheit entsteht eine tiefe Bindung und Intimität, die jederzeit erneut bejaht wird 
  • In gesunden Beziehungen geht es den Einzelpartnern in den für sie wichtigen Kriterien ihres Lebens messbar neutral oder besser 

Unsere Beziehungsstrategien prägen sich im frühen Alter. Viele von uns haben früher schwierige Erfahrungen gemacht. Dennoch sind wir nicht verdammt unser Leben durch unsere Prägungen bestimmen zu lassen. Stattdessen können wir diese reflektieren und bearbeiten

Wichtig ist dabei unsere Bedürfnisse kennenzulernen, sowie unsere Grenzen klar zu ziehen. Dafür bedarf es einer sehr guten ErkenntnisfähigkeitEntscheidungskraft und dem Erproben von neuem Verhalten. 

Den nach innen gerichtetem Teil dieser Arbeit zu leisten ist das Themenfeld von herziq. Wir wollen, dass wir alle unsere Bedürfnisse besser erfüllenGrenzen klar ziehen können und dadurch eine bessere Beziehungs- und Lebensqualität erreichen. 

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