Es gibt Menschen, die morgens nach dem Aufstehen als erstes überlegen, wie ihr Tag aussehen soll. Dabei planen ihre Tagesziele und tragen die notwendigen Aktivitäten dafür in ihren Kalender ein. Sie reflektieren dann am Ende des Tages darüber, was sie erreicht haben, was nicht und warum. Andere Menschen hingegen, begegnen solcher Struktur mit Widerwillen. Sie fürchten dann ihre Spontanität und Freiheit zu verlieren.

Die Vor- und Nachteile von solcher Strukturierung und welche Empfehlungen wir aussprechen findet sich in diesem Artikel.

Die Vorteile

Eine gut durchdachte Tagesstruktur erzwingt eine innere Trennung zwischen dem „Entscheider“ und dem „Macher“. Der Modus des „Entscheiders“ setzt sich einmal damit auseinander was gemacht wird, warum und in welcher Reihenfolge. Der Modus des „Machers“ in uns führt dies dann nur noch aus.

Wenn wir so unser Leben gestalten, dann führt das zu einer Entlastung unseres Gehirns, da wir spontan weniger Entscheidungen treffen müssen. Wir müssen dann nur noch einmal am Tag, in der Woche oder sogar in unserem Leben eine Entscheidung treffen. Umso schwerer es uns mental fällt Entscheidungen zu treffen, umso vorteilhafter ist dieser Effekt für uns.

Neben dieser mentalen Entlastung ist ein weiterer Vorteil von Strukturierung, die fokussierte und achtsame Auseinandersetzung damit, was wir eigentlich tun wollen. Leben wir in den Tag hinein so sind es Impulse oder andere Menschen die unser handeln steuern, jedoch nicht unsere bewusste, rationale Entscheidung. Wir können also die Strukturierung nutzen um unser Bedürfnis nach Selbstbestimmung zu erfüllen – insbesondere dann, wenn wir uns im Kalender Zeiträume fest einplanen, gelingt es uns, uns nicht für andere  Dinge einspannen zu lassen.

Verknüpfen wir diesen Prozess der Beantwortung der Frage „Was will ich heute tun?“  auch mit der Reflektion über die Frage „Was habe ich heute geschafft?“ am Ende des Tages, so können wir auch für unser Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung Sorge tragen. Wir schätzen dann selbst ein und wert, was wir geschafft haben.

Die Bedürfnisse von Selbstbestimmung und Selbstwerterhöhung unterscheiden sich;  Selbstbestimmung ist wie unser Kompass, der uns den Weg zeigt, einen hohen Selbstwert hingegen haben wir (unter anderem) dann, wenn wir diesen Weg auch zu gehen imstande sind und dies auch wahrnehmen und einordnen. Erreichen wir bestimmte Aspekte oder Aufgaben unserer Planung nicht, dann sollten wir uns idealerweise liebevoll fragen, was uns zur Erfüllung dieser gefehlt hat. Dadurch entsteht wiederrum mehr Kontrolle im Prozess unserer persönlichen Entwicklung.

Die Nachteile

Ein bereits angesprochener Nachteil ist, dass uns ein Stück weit Spontanität verloren geht. Spontanität ist nicht nur sozial attraktiv, sondern sie versetzt uns auch in unerwartete Situationen. Unerwartetes fördert sowohl im Spiel als auch in ernsten, aber zufälligen Situationen unsere Kreativität. Dies ist nicht nur angenehm, sondern auch für jeden Lernprozess nötig: Wer nur erwartbares eingeht, vermeidet es zu scheitern und damit zu lernen. Durch zu viel Struktur wird das Leben eingezwängt und wir damit zwanghaft.

Die Einengung unseres Tagesablaufs führt zu einer inneren Gegenreaktion: Der innere Anteil in uns, der eben keine Lust hat – also Ausdruck unseres Grundbedürfnisses nach Lustsuche und Unlustvermeidung ist – wird dann frustriert. Wir sind also nicht nur eventuell überfordert, sondern entwickeln gegen unsere eigenen Strukturen eine Aversion, vielleicht sogar regelrechten Trotz.

Das sind die Momente, wo wir nach 2 Wochen täglichem Fitnessstudio-Besuch nie wieder ins Gym gehen. Wenn wir uns dann fragen, was eigentlich nicht stimmt, dann kommen wir uns wie Selbstsaboteure vor – da bei haben wir einfach unsere Bedürfnisse nach Selbstbestimmung & Selbstwerterhöhung über das von Lustsuche und Unlustvermeidung gestellt. Dieses unterdrückte Bedürfnis hat sich – wie bei einem frustrierten Kind – in Form von Sabotage und Aggression Raum verschafft.

Was passt zu uns?

Brauchen wir also nun mehr oder weniger Struktur? Die frustrierende Antwort: Es kommt darauf an. Wenn wir ein Mensch sind der grundsätzlich eher strukturiert ist, dann sollten wir mehr Zeiträume der Planlosigkeit schaffen. Sind wir ein unorganisierter Chaot, dann sollten wir es mit etwas der vorgeschlagenen Routine probieren. In jedem Fall hilft uns etwas Struktur dabei sowohl Aktivitäten als auch Freiräume einzuplanen. So können wir beispielsweise für uns die Regel aufstellen zwischen zwei anstrengenden Aktivitäten mindestens zwei Stunden freie Zeit einzuplanen, in der wir machen können, was wir wollen.

Welcher Typ bin ich?

Anhand folgender einfacher Fragen kannst Du herausfinden, welcher Typ Du eher bist und in welche Richtung Du gegensteuern solltest. Beantworte die Fragen von 0-5, wobei 0 bedeutet, dass du nicht zustimmst und 5, dass du zustimmst.

Aussagen zur Struktur

  • Ich organisiere und strukturiere viel in meinem Leben
  • Mein Zuhause ist immer aufgeräumt
  • Ich weiß am Beginn des Tages immer ganz genau was ich tun werde
  • Ich analysiere und bewerte meinen Tag, anhand meiner Struktur
  • Wenn etwas außer der Reihe meine Struktur stört, stört mich das sehr und bringt mich durcheinander

Aussagen zum Fehlen von Struktur

  • Ich genieße es nichts vor zu haben
  • Ich plane meinen Tag nicht
  • Mein Zuhause ist chaotisch
  • Ich gehe gern meinen Impulsen nach, auch wenn ich dann nicht zu dem komme was ich dachte, dass ich es gleich tun werde
  • Ich bewerte meinen Tag danach welche Eindrücke ich hatte

Formel für deinen Strukturiertheits-Score = Summe der Zustimmung zu Aussagen zur Struktur – Summe der Zustimmung zu Aussagen zum Fehlen von Struktur

  • 25 – 20: Du strukturierst Dein Leben stark. Tendenziell zu stark. Es kann sein, dass Du unter Zwängen leidest und daran arbeiten musst etwas mehr Freiraum für Kreativität und Lernerfahrungen zu schaffen. Nimm Dir weniger vor und plane größere Zeiträume des Nichts-Tuns ein.
  • 20 – 18: Du bist eher ein stark strukturierter Mensch. Hast Du genügend Raum für Spontanität und Kreativität? Wie sieht es mit Deiner Inspiration für Lernerfahrungen aus? Falls das zu kurz kommt, versuche doch mal konkret Zeiten einzuplanen in denen Du nichts, oder sogar sehr ungewohntes tust.
  • 18 – 12: Du machst es genau richtig. Dein Leben bietet Freiheit im gleichen Maße wie Struktur.
  • 12 – 10: Du lebst gerne eher in den Tag hinein. Wie sieht es mit Deinem Wunsch nach einem selbst bestimmten und Werte-orientierten Leben aus? Wenn Du dort nicht zufrieden bist, versuch Dir doch einmal etwas mehr vorzunehmen. Dabei kannst Du mit einer Aktivität an einem konkreten Tag beginnen.
  • 0 – 10: „Ein wahres Genie beherrscht das Chaos“ – das trifft auf dich zu. Vielleicht ein bisschen zu chaotisch. Es kann sein, dass Du darunter leidest, dass zu wenig fertig wird und wenig voran geht. Wenn dem so ist, solltest Du Dir mehr Zeit nehmen Dir ein selbst bestimmtes Leben mit den genannten Methoden aufzubauen.

Fazit

Die goldene Mitte zwischen Disziplin und dem in den Tag leben, zwischen Struktur und Spontanität macht ein gutes Leben aus. Struktur hilft  uns dabei unsere Ziele zu erreichen und im Großen und Ganzen unseren Weg zu gehen, während die Spontanität uns auf die kleinen Irrwege führt, aus denen wir lernen und Inspiration für unsere weitere Reise ziehen.

Dir dabei zu helfen, diesen Mittelweg zu finden und so Deine Grundbedürfnisse in einen Einklang zu bringen, das ist unser Anliegen.

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